Tag am Meer

Happy Birthday Emily!

Meine liebe Emy,

Deine warmen, treuen Augen sind mit den Jahren etwas trüb geworden – dennoch können sie bis auf den Grund meiner Seele blicken. Mehr denn je finde ich in ihnen Zuflucht und Halt, wenn das Leben mich mal wieder ängstigt oder ich Deine vertraute Nähe suche.

 

Etwas langsamer und gemütlicher sind Deine Bewegungen geworden – dennoch haben sie nicht an Grazie und Eleganz verloren. Verständlich, dass es mich mit Stolz erfüllt, wenn Du neben mir am Rollstuhl läufst und wir eine Einheit bilden. Als Team sind wir einfach unschlagbar!

 

Auch wenn Du Deine Schritte heute mit Bedacht wählst – wenn dein geliebtes Enten-Dummy fliegt bist Du schneller als der Wind und läufst federnd wie auf Wolken. Ich kann Dir gar nicht sagen, wieviel Glück ich dabei empfinde, wenn Du mir Deine Beute voller Stolz und mit wedelndem Schwanz anvertraust. Du bringst mein Herz zum tanzen!

 

Dein weiches, schwarzes Fell ist mittlerweile um ein paar graue Haare reicher geworden – doch ich verliebe mich jeden Tag aufs Neue in Dich, denn Du wirst von Jahr zu Jahr schöner. Ich liebe nichts mehr, als Dich beim kuscheln ganz nah bei mir zu haben und mit meinen Fingern durch Dein seidiges Fell zu streicheln. Deinen Herzschlag, Deinen Atem und Deine Wärme zu spüren und Deinen lieblichen Geruch in mich aufzusaugen. Deine Hingabe und Dein Vertrauen sind mein größter Schatz!

 

Nach all den Jahren gehen wir im gleichen Takt durchs Leben – die gemeinsame Zeit und das Alter haben uns beide weiser gemacht und das Band zwischen uns ist stärker denn je. Ich bin unendlich dankbar für jeden Tag mit Dir an meiner Seite und hoffe so sehr, dass uns noch viele weitere Jahre geschenkt werden. Ein Leben ohne Dich? Unvorstellbar!

 

Alles Gute zum 12. Geburtstag Emily!

 

 

Liebe auf den zweiten Blick (TEIL 2)

In Teil 2 dieser Geschichte erfahrt Ihr, wie es mit Emily und mir nach der Zusammenführung weiterging und welche Herausforderungen uns im realen Leben bzw. in unserem Alltag erwarteten und wo wir heute fast 8 Jahre nach der Zusammenführung stehen.

„Dran bleiben“, das ist ein sehr wichtiger Leitsatz bei VITA, welcher einem immer wieder in den verschiedensten (Trainings-) Situationen begegnet und letztendlich dabei hilft, niemals aufzugeben und gemeinsam mit seinem vierpfotigen Partner zum Erfolg zu kommen. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen Satz während meiner Zusammenführung (und auch noch danach) gehört habe. „Nina, Du musst dran bleiben. Du musst Emily zeigen, dass Du es wirklich willst. Du musst an Dich, aber auch an Euch als Team glauben.“ Und eben genau dieses Dranbleiben und Vertrauen, fiel mir damals so unsagbar schwer. Durch meine Unsicherheit und Selbstzweifel stand ich mir selbst im Weg. Doch wie soll man auch in sich selbst und seine Fähigkeiten vertrauen, wenn man nach und nach immer mehr (körperliche) Fähigkeiten verliert? Wie soll man mit Anfang zwanzig seinen eigenen Wert erkennen, wenn man vom Großteil der Gesellschaft suggeriert bekommt, dass man als Rollstuhlfahrer/Behinderter nichts Wert ist? Wie soll man daran glauben, dass ein anderes Lebewesen einen liebt, wenn man sich selbst so wie man ist nicht lieben kann?

Durch die Menschen bei VITA und durch die Erfahrungen mit Emily lernte ich erst, dass es überhaupt keine Rolle spielt, was ich kann oder eben nicht mehr kann oder ob ich zu Fuß oder mit meinem Rollstuhl unterwegs bin. Durch sie alle habe ich gelernt, dass es viel wichtiger ist, die zu sein, die ich bin und den Mut zu haben dies auch zu zeigen. Es dauerte zwar seine Zeit, aber im Laufe der Zusammenführung gelang es mir immer besser meinen Kopf auszuschalten, die Vergangenheit mit all ihren schmerzhaften Erfahrungen auszublenden, mich ganz auf Emily einzulassen und das Vertrauen zwischen uns als Team aufzubauen und zu stärken. Das Resultat war verblüffend: nicht nur ich konnte mich auf einmal spüren und immer besser akzeptieren, auch für Emily wurde ich endlich sichtbar/greifbar. Und was ich ihr entgegenbrachte, schien Ihr zu gefallen, denn auf einmal folgte sie mir – bedingungslos und überall hin. Das war der Grundstein für den Weg in eine gemeinsame Zukunft!

Im Januar 2008 war es dann endlich soweit: das Ende der Zusammenführung war gekommen und Emily und ich wurden nach Hause „entlassen“. Zuvor hatte die Ausbildungsleiterin Tatjana Kreidler einige Tage mit uns in Köln verbracht, um uns auf ein Leben in den eigenen vier Wänden bzw. in unserer Heimat Köln vorzubereiten. Als für Tatjana der Zeitpunkt gekommen war zu gehen, blieb Emily wie selbstverständlich in ihrem Körbchen in meiner Wohnung liegen, als ob sie nie woanders hingehört hätte. Sie selbst entschied an diesem besagten Tag zu bleiben! Und auch wenn Tatjana der Abschied von Emily sichtlich schwerfiel, wusste sie, Emily hat ihren Platz im Leben endgültig gefunden!
Doch der Kontakt zu VITA ging auch nach der Zusammenführung nicht verloren, im Gegenteil. Besonders im ersten gemeinsamen Jahr stand VITA immer mit Rat und Tat helfend zur Seite, wenn ich mal wieder ratlos war.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie unwohl mir in der ersten gemeinsamen Nacht zu Mute war. Tausend Fragen schossen mit durch den Kopf: Geht es Emily auch wirklich gut? Hat Sie Heimweh? Fühlt sie sich hier wohl? Bin ich der Verantwortung gewachsen? Doch in den darauffolgenden Tagen und Wochen wurde ich wieder einmal eines Besseren belehrt: Emily lebte sich in ihrer neuen Heimat schnell ein und stand mir schon nach kurzer Eingewöhnungszeit in fast allen Lebenslagen helfend zur Seite. Leidenschaftlich apportierte sie mir alles was zu Boden fiel, mit vollem Körpereinsatz machte sie Schränke und Türen auf, mit viel Sensibilität und Vorsicht half sie mir dabei, Kleidungsstücke wie Hosen, Socken und Jacken auszuziehen oder sie trug stolz den Einkaufskorb. Durch regelmäßiges Training konnten wir uns schnell auch spezifischeren Aufgaben widmen. So gelang es uns mit Unterstützung von Tatjana, das Emily lernte mir die Beine ins Bett oder auf die Coach zu heben. Unglaublich mit wieviel „Will top lease“ sie für mich arbeitete!

Doch Emily unterstützte mich nicht nur in praktischer Hinsicht. Mit ihr an meiner Seite begann ich wieder vor die Tür zu gehen. Mehrmals täglich, bei Wind und Wetter, zu jeder Jahreszeit war ich fortan mit Ihr auf Tour. Sie hat meine Liebe zur Natur entfacht – gemeinsam haben wir die Welt um uns herum entdeckt, dabei jedem Wetter getrotzt und die Schönheit des Moments genießen gelernt. Es verging kein Spaziergang mehr, an dem ich nicht mit anderen Hundebesitzern ins Gespräch kam. Plötzlich war der Rollstuhl keine Barriere mehr im Kontakt zu Fußgängern. Die Hemmungen und Vorurteile auf beiden Seiten wurden einfach sekundär, durch diese schwarze Schönheit an der Seite meines Rollstuhls. Im Kontakt mit anderen gab sie mir die nötige Sicherheit und ich traute mir über die Zeit immer mehr zu. Emily öffnete für mich Türen in vielerlei Hinsicht!

Obwohl ich in den letzten Jahren fast alle körperlichen Fähigkeiten verloren habe und rein praktisch nur noch so wenig selbstständig tun kann, ist Emily an meiner Seite und öffnet mir täglich die Augen für die schönen Momente des Lebens. Sie schafft es immer wieder aufs Neue, Trauer und Tränen in Freude und Lachen zu verwandeln. Es gab und gibt bis heute kaum eine Situation, die wir nicht gemeinsam gemeistert haben. Egal ob im beruflichen Alltag beim Gang ins Büro, in der Freizeit bei Café Besuchen oder beim Treffen mit Freunden sowie im Urlaub am Meer oder in den Bergen – Emily begleitet mich zuverlässig überall hin. Auch im stolzen Alter von 11 Jahren meistert sie ihre „Assistenzhundeaufgaben“ vorbildlich.
Als Ausgleich zum stressigen Alltag fröhnen wir, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, unserem gemeinsamen Hobby, der Dummyarbeit! Dabei wird für den Hund eine Jagdsituation simuliert. Die Dummys (kleine und bis zu 500g schwere, mit Sand gefüllte Segeltuchsäckchen) ersetzen das erlegte Wild und werden von Retrievern mit der gleichen Begeisterung apportiert. Für mich ist es eine kostbare Gelegenheit, Emily nahe zu sein, sie gleichzeitig körperlich und kopfmäßig auszulasten und ihre Freude und ihr Glück am apportieren zu teilen.
Wann immer die Zeit es zulässt, kehren wir zurück ins Ausbildungszentrum zu VITA und genießen die Zeit mit all den besonderen Menschen, die ebenfalls schwer an ihrem Schicksal tragen, jedoch gemeinsam mit ihren Hunden das Beste aus ihrer individuellen Situation machen. Früher wollte ich nie etwas mit anderen Behinderten zu tun haben, weil ich mir nicht eingestehen wollte, selbst behindert zu sein. Heute bin ich unglaublich stolz, Teil dieser familiären Gemeinschaft zu sein, bei der man sich auf Augenhöhe begegnet und jeder willkommen ist!

Gefühlt sind die gemeinsamen Jahre nur so dahingeflogen und doch steht die Zeit so oft still für uns, in den vielen kleinen wunderbaren Momenten des Alltags, in denen sich unsere Blicke treffen. Wo die eine die andere ansieht und versteht – ohne Worte. Wo nur der gemeinsame Augenblick zählt und wir alles andere um uns herum vergessen und ausblenden. Wo es nur uns beide gibt! Egal wohin ich gehe, sie folgt mir – bedingungslos. Sie ist meine treue Gefährtin, meine WegBEGLEITERIN und –BEREITERIN!
Was für ein toller Hund?! Was für eine intensive Bindung?! Was für eine ganz besondere Beziehung?! Was für ein Geschenk, das erleben zu dürfen!!!

Liebe auf den zweiten Blick (TEIL 1)

“… wie sehr dieses Tier unsere Seele berührt und uns die wichtigsten Lektionen über das Leben gelehrt hat.“

(Zitat aus dem Buch von John Grogan „Marley und ich“)


Im Oktober 2005 veränderte sich mein Leben durch einen Besuch der Reha Care Messe in Düsseldorf schlagartig. Wie auch schon die Jahre zuvor, begleitete mich damals meine Mutter auf dem Rundgang durch die riesigen Messehallen. Wir waren beide mit der Hoffnung in den Tag gestartet, auf der Internationalen Fachmesse für Menschen mit Behinderung, dass ein oder andere nützliche Hilfsmittel zu erwerben, das den Alltag einer Muskelkranken ein wenig erleichtern würde.


Wie gewohnt wurden wir auch diesmal überflutet von den zahlreichen Eindrücken und den verschiedenen Menschen mit den so unterschiedlichen Schicksalen und Handicaps. Während unseres Rundgangs durch die verschiedenen Messehallen kam ich auf einmal ins stocken, als ich mich plötzlich, als einer von zahlreichen Zuschauern, bei einer Vorführung der VITA Assistenzhunde wiederfand. Beeindruckt von diesen wunderschönen Hunden mit ihren bemerkenswerten Fähigkeiten blieb ich stehen und ließ die Vorführung auf mich wirken. Bei den gemeinsamen Demonstrationen von Mensch und Tier konnte ich etwas beobachten, was zum damaligen Zeitpunkt für mich im krassen Gegensatz zueinanderstand: Die Tatsache ein Rollstuhlfahrer und gleichzeitig glücklich zu sein!


In meiner damaligen Situation war ich geprägt von Gefühlen wie Hilflosigkeit, Wut und Trauer über den Verlust meiner Gehfähigkeit und Integrität. Ich assoziierte den Rollstuhl mit Stillstand, Isolation, Einsamkeit und war der Meinung, dass mein Leben aufgehört -, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Doch die gehandicapten Menschen, die ich bei VITA sah, bewiesen mir das Gegenteil, denn Sie erfüllten keines meiner Dogmen und Vorurteile. Das Gegenteil war sogar der Fall: die strahlenden Augen der Hundebesitzer versprühten Lebensfreude, Stolz, Vitalität und Zuversicht. Diese Erkenntnis berührte mich damals zutiefst und brachte eine Wende in meinem Denken mit sich!
Das Resümee meines Messetages bestand in diesem besagten Jahr nicht aus aufgestöberten neuartigen Hilfsmitteln, sondern aus dem Gefühl mich in einen Vierbeiner verliebt zu haben und dem Wunsch nach Veränderung in meinem Leben. Für mich stand von diesem Tag an fest, ich wollte einen Assistenzhund haben und meinem Leben eine neue Richtung geben!


Wie gesagt, so getan! Kaum wieder zu Hause, hatte ich auch schon die Bewerbung für VITA Assistenzhunde e.V. fertig. Dann ging alles Schlag auf Schlag… Ich besuchte das Ausbildungszentrum von VITA in Hümmerich, lernte den Verein und die Mitglieder näher kennen und nahm an zahlreichen VITA-Events teil. Nach einigen Gesprächen wurde ein so genanntes „Matching“ für mich organisiert, um festzustellen, welcher VITA Hund zu mir passen könnte. Für mich stand schon relativ früh fest: es sollte möglichst der Golden Retriever Rüde Valentin werden, der mit seinen treuen Augen und seinen bekannten Kuschelattacken jedes Herz zum Schmelzen bringt. Die Ausbildungsleiterin Tatjana Kreidler hatte schon damals eher die schwarze Labradorhündin Emily für mich im Visier, denn Sie ergänzte mit ihrem Wesen und ihren Eigenschaften meine Bedürfnisse besser als Valentin. Mmh, da stand ich nun mit meiner Affinität zu Golden Retrievern und musste mich entscheiden. Doch dann lernte ich Emily besser kennen und schnell war es um mich geschehen. Die kleine schwarze Labradordame mit Ihrem einzigartig weichen Fell brauchte nicht lange, um mich von sich und ihren Qualitäten zu überzeugen.
Somit erfolgte die gemeinsame Entscheidung, Emily und mich zu einem perfekten Team auszubilden! Anfang September 2007 begann dann endlich die Phase der Zusammenführung in Hümmerich. Unser erklärtes Ziel war es, dass Emily die Aufgaben für mich übernimmt, die sie während ihrer Grundausbildung in Hümmerich erlernt hatte, dabei ging es sowohl um die sogenannten Basics, d.h. Gegenstände zu apportieren, Schubladen öffnen, am Rollstuhl laufen, … als auch um speziellere, individuelle Aufgaben, die Emily für mich übernehmen sollte, um mir in Zukunft meinen Alltag zu erleichtern und mir dadurch zu mehr Unabhängigkeit von meinen Mitmenschen zu verhelfen.


Dieses Vorhaben war zunächst einfacher gesagt als getan, denn damit ein VITA-Hund für seinen Partner „arbeitet“, bedarf es nicht nur einer tiefen Bindung, sondern auch eines enormen gegenseitigen Vertrauens, welches nicht einfach über Nacht entsteht oder durch Leckerli „erkauft“ werden kann. Als Laie macht man sich jedoch erst einmal keine Vorstellung davon, dass die Hunde nicht für jeden X-beliebigen Menschen arbeiten und geht somit leicht mit unrealistischen Erwartungen in die Zusammenführung. Ich kam damals mit der Einstellung und Hoffnung nach Hümmerich „mal eben“ innerhalb von ein paar Wochen einen perfekt ausgebildeten Assistenzhund zu bekommen, der mich als seine Partnerin akzeptiert und bedingungslos alles für mich tut. Pustekuchen! Von dieser Vorstellung musste ich mich recht schnell verabschieden, denn wir reden hier nicht von Maschinen, welche man beliebig programmieren kann, sondern von Lebewesen, die ihren eigenen Charakter, Ihre eigenen Gefühle und Empfindungen haben. Somit waren Behutsamkeit, Geduld und Verständnis die ersten Dinge, die ich in Hümmerich lernen musste.


Besonders die ersten Wochen der Zusammenführung waren für mich in vielerlei Hinsicht eine echte Herausforderung: ich kam aus der Großstadt und saß plötzlich auf dem platten Land. Kein Internet, kein Fernsehen, nichts von all dem, was meinen Alltag sonst ausmachte begegnete mir bei VITA. Dazu dauernd andere Leute in einem Haus, welches dafür eigentlich viel zu klein ist. Ich war fast nie allein, hatte kaum Privatsphäre und dass über einen Zeitraum von mehreren Wochen.
Zudem tickten die Uhren bei VITA anders: in meinem Alltag in Köln war mein Tag komplett durchgeplant – das musste auch so sein, denn sonst schaffte ich mein Pensum nicht. In Hümmerich hingegen wurde ich radikal entschleunigt. Das Haus war meistens voll, es fanden anderen Zusammenführungen und Nachbetreuungen parallel statt und ich war mitnichten die Nummer eins. Es fiel mir anfangs sehr schwer mich auf die Gegebenheiten einzulassen und mich für Emily zu öffnen.
Während der Trainingseinheiten war ich oft völlig verkrampft. Ich tat das, was man mir sagte, stand aber gar nicht dahinter. Ich setzte mich unglaublich unter Druck und steckte meine Ziele und Erwartungen viel zu hoch. Diesen Druck und meine innere Zerrissenheit spürte Emily und wich mir daher anfänglich eher aus, als meine Nähe zu suchen. Ich kann die Angst gar nicht beschreiben, die ich damals hatte, dass dieser Hund mich nicht will.


Tatsächlich dauerte es sehr lange, bis ich Emilys Signale verstand und mich für sie öffnen und auf sie einlassen konnte. Ich erinnere mich noch gut an eine anfängliche Trainingssituation, in der ich Emily dazu aufforderte mir die Handschuhe auszuziehen. Sie saugte an den Handschuhen, kaute auf ihnen herum und zog teilweise wie wild daran… Wieder einmal wunderte ich mich, denn ich hatte ja bereits beobachten können, wie problemlos Emily Tatjana Kreidler die Handschuhe auszog. Fragen über Fragen waren in meinem Kopf und zeitweise kamen sogar Selbstzweifel bei mir auf. Mag sie mich nicht? Mache ich irgendetwas falsch? Nichts von alledem war der Grund für Emilys Verhalten, zum damaligen Zeitpunkt war sie einfach nur noch nicht bereit so für mich zu arbeiten, wie ich es gern gehabt hätte. Doch durch die tägliche Zusammenarbeit lernten wir uns gegenseitig immer besser kennen und einzuschätzen. Die permanente positive Bestärkung von Emily durch die Ausbildungsleiterin, z.B. wenn sie meine Nähe suchte oder Dinge für mich apportierte, führte dazu, dass Emily nach und nach immer sicherer wurde und lernte mir zu vertrauen. Irgendwann war das Eis zwischen uns gebrochen und Emily begann auch für mich die Dinge umzusetzen, die sie bereits im Vorfeld erlernt hatte.


Der Weg zu Emily war lang und führte mich zunächst an mir selbst und meinem persönlichen Kampf vorbei. Mehr als einmal stieß ich in der Zeit der Zusammenführung mit Emily an meine psychischen und körperlichen Grenzen und glaubte der Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Doch mit Hilfe von Emily und zahlreichen lieben Menschen habe ich es Stück für Stück geschafft.


In Teil 2 dieser Geschichte erfahrt Ihr, wie es mit Emily und mir nach der Zusammenführung weiterging und wo wir heute, fast 10 Jahre danach, gemeinsam stehen. Also schaut in den nächsten Tagen nochmal vorbei und lest weiter…